09.10.2017

Die VDB-Landesgruppe bei der Besichtigung von Karl Wiesenders (Mitte) Naturbackstube in Pfaffenhofen. (Foto: Roland Ried 2017)

Ernte, Energie-Effizienz und exquisiter Neubau

Die Herbstveranstaltung der VDB-Landesgruppe Bayern bot in diesem Jahr gleich drei unterschiedliche Highlights: Fundierte Informationen über die Qualitäten der diesjährigen Getreideernte, einen interessanten Vortrag über Energie-Effizienzkonzepte für Bäckereien sowie eine Führung durch einen topmodernen Bäckerei-Neubau. Am 22. September kamen rund 30 Mitglieder der Landesgruppe Bayern zur Naturbackstube Wiesender nach Pfaffenhofen und wurden von deren Geschäftsführer Karl Wiesender herzlich begrüßt. Der vor einem knappen Jahr eröffnete Neubau, der eine 2.400 Quadratmeter große Backstube und ein geräumiges Bäckerei-Café beinhaltet, macht bereits von außen einen imposanten Eindruck und bot einen optimalen Rahmen für die Herbstveranstaltung der Landesgruppe Bayern.

Wer frühzeitig genug eintraf, konnte sich mit einem Mittagsimbiss, den die Naturbackstube Wiesender großzügigerweise zur Verfügung stellte, stärken, bevor das offizielle Programm um 13 Uhr in einem der Seminarräume der Bäckerei startete. Der Landesvorsitzende Ludwig Fischer begrüßte alle Anwesenden herzlich und übergab dann schnell an Bäckermeister Christian Obernhuber, der den diesjährigen Erntebericht für Bayern vortrug. Der Anwendungstechniker von der Rosenmühle/Ergolding erläuterte, dass sich vor allem durch eine Regenphase während der Erntezeit die Qualitäten sowohl beim Weizen als auch beim Roggen sehr unterschiedlich entwickelt haben. Die Erntemenge ist deutschlandweit beim Weizen mit 24,5 Millionen Tonnen etwas geringer ausgefallen als im Vorjahr. Die Kleberqualität ist gut. Eine gewisse Herausforderung stellen stark streuende Fallzahlen und damit schwankende Enzymaktivitäten dar. Auch beim Roggen sind viele Partien mit höherer Enzymaktivität geerntet worden. Die Erntemenge ist beim Roggen mit 2,77 Millionen Tonnen im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken. Generell ist die Roggenqualität durchaus gut. Die Auswirkungen der starken Enzymaktivität können laut Obernhuber mit normalen Bäcker-Knowhow gut ausgeglichen werden. Fragen zur möglichen Preisentwicklung bei den Mehlen wollte Christian Obernhuber nicht beantworten: „Da steckt mir zu viel Spekulation drin.“

Den folgenden Vortrag hielt Dipl.-Ing. Thomas Freund von der Abfall- & Umwelt Management MF GmbH. Dieses Beratungsunternehmen für Umwelt- und Energiethemen hat mittlerweile über 100 Kunden aus der backenden Branche. Für viele von ihnen hat Thomas Freund Energiekonzepte erstellt. Eine seiner letzten Arbeiten war dabei das Energiekonzept für die Naturbackstube Wiesender. Anhand dessen erläuterte Freund, worauf es ankommt, wenn man daran geht die Energiebeschaffung, die Energienutzung und vor allem die Energiekosten einer Bäckerei zu optimieren. Als Kernpunkt arbeitete er heraus, dass Strom derzeit und in absehbarer Zeit der teuerste Energieträger ist, Gas jedoch der günstigste. Deshalb gelte es, die Öfen auf Gas umzustellen und so viel Strom wie möglich selbst zu produzieren. Das bewerkstelligt die Naturbackstube Wiesender mit einem Blockheizkraftwerk (BHKW) und einer Photovoltaikanlage. Karl Wiesender bestätigte, dass er nahezu den gesamten erzeugte Strom im eigenen Betrieb verbraucht. Auch das vom BHKW erzeugte heiße Wasser kann er gut verwenden, da es immerhin eine Temperatur von 85 Grad erreicht. Das ist eine deutlich höhere Temperatur als sie bei Wärmerückgewinnung aus dem Rauchgas erreicht wird. „Viele Bäcker sind mittlerweile auch von den Ergebnissen der alleinigen Wärmerückgewinnung enttäuscht“, berichtet Thomas Freund, der abschließend riet: „Ein Blockheizkraftwerk rentiert sich fast immer.“

Dass dies wirklich der Fall ist, erläuterte auch Karl Wiesender bei der Betriebsführung, die das Programm abschloss. Den Besuchern von der VDB wurde ein fast nagelneuer Betrieb mit modernster Technik und sehr ansprechender Optik vorgeführt, der am Ende der Führung zu Recht jede Menge Applaus einheimste. Wieviel er in den Neubau investiert hat, wollte Karl Wiesender allerdings nicht öffentlich verkünden. Nach Abschluss der Führung gab es noch Kaffee und Kuchen, bevor die Besucher der VDB individuell abreisten. Ludwig Fischer traf die Stimmung aller, als er Karl Wiesender für diese „tolle Veranstaltung“ herzlich dankte. (Roland Ried)

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