An den Markt denken

Im namensgebenden Restaurant Marktkieker in Großburg-Wedel (Bild oben) fand die erste Preis-Verleihung statt. Isernhäger-Geschäftsführer Fridjof Olms (Bild unten) gehört mit Back Journal-Chefredakteur Günther Wohlers zu den Vätern des Unternehmerpreises.

Wir schreiben das Jahr 1986. Das Bäckerhandwerk hat begonnen zu filialisieren, der Strukturwandel ist im vollen Gange. Viele Bäcker klammern sich aber an althergebrachte Vorstellungen des Berufs. Sie stellen, wie Marktkieker-Vater  Fridjof Olms sagt, „gute Produkte her, schaffen es aber nicht, sie vernünftig zu vermarkten." Zusammen mit Back Journal-Chefredakteur Günther Wohlers sann er auf Abhilfe: Die beiden entwickelten das Konzept für einen Branchenpreis, der sich nicht als erweiterte Brotprüfung verstand, sondern die unternehmerischen Leistung der Bäcker in den Vordergrund rückte. Die Preisträger sollten marktnahe Ideen entwickelt und realisiert haben, die für andere Bäcker ein Vorbild sein konnten. Gleichzeitig gab es aber noch einen weiteren Gedanken: der Bäcker als Unternehmer sollte in den Mittelpunkt rücken: „Eine Bäckerei erfolgreich zu führen ist eine unheimlich vielseitige Management-Aufgabe. Das ist außerhalb der Branche lange nicht allen klar.” Olms und Wohlers achteten deshalb darauf, dass sich in der ersten Marktkieker-Jury mit Bäko-Chef Albert Eurskens oder Berater Ulrich Karcisky nicht nur Experten aus der Bäckerszene fanden. Zu den ersten Juroren gehörten auch Gundolf Praast, ein Manager der Spar-Handelsgesellschaft oder Wolfgang Dürich vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung aus Essen. Die gute Idee machte nicht nur Freunde. Hinter den Kulissen maulten die Verbände, weil sich da einfach jemand anmaßte, Bäcker auszuzeichnen. Die anderen Fachzeitschriften ignorierten die Verleihung geflissentlich. Und der Wettbewerb versuchte den Marktkieker als Preis eines Lieferanten abzuqualifizieren – mit ein Grund, warum sich Isernhäger nach einigen Jahren als Veranstalter zurückzog und das Back Journal die Gala in Eigenregie organisierte. Mit der von der Künstlerin Sati Zech geschaffenen Figur, die gleichzeitig für Innovation und handwerkliches Arbeiten steht, wurden von 1987 bis heute 74 Betriebe aus Deutschland, der Schweiz und Österreich ausgezeichnet. Der Marktkieker ist unbestritten die  Auszeichnung für Bäckereiunternehmer im deutschsprachigen Raum. Die Preisträger sind die Vordenker einer Branche, die sich ihrer Tradtion bewusst ist, aber als modernes Handwerk ganz nah am Kunden arbeitet. Im Gegensatz zu vielen anderen Handwerken haben die Bäcker ihren Markt verteidigen und neue Geschäftsfelder erschließen können.

zurück