Marktkieker 2010 / 2011 vergeben

Nach der Ehrung: Die Marktkieker-Preisträger 2010 / 2011 mit der Jury.
In Berlin sind am 12. Juni 2010 die Schaubäckerei Scheinert (Dresden), die Bäckerei Der Mann (Wien), die Stadtbäckerei Dreher (Gengenbach) sowie die Confiserie Bachmann (Luzern) mit dem Marktkieker, dem wichtigsten Unternehmerpreis der Backbranche, ausgezeichnet worden.

Kleinbetriebe werden immer wieder tot gesagt. Dass das Unsinn ist, zeigen Thomas
und Silke Scheinert in Dresden. Die Existenzgründer haben im Jahr 2002 einen
Kleinbetrieb übernommen. Seitdem haben sie den Umsatz auf bestehender Fläche
verfünffacht. Erreicht haben sie das – trotz starker Konkurrenz durch Filialbäcker
– durch konsequentes Ausspielen der Stärken einer handwerklichen Bäckerei. Die
Schaubäckerei Scheinert ist in ihrem Einzugsbereich zu der Kompetenz in Sachen
Backwaren geworden. Scheinert arbeitet transparent, der Blick in die Backstube
ist jederzeit möglich. Kinderbacken gehört ebenso zum Marketing-Repertoire wie
Märchenlesungen, bei denen die Kinder aus der Nachbarschaft auf einem Thron
im Café der Scheinerts Platz nehmen. Wer es, wie Thomas und Silke Scheinert,
schafft, einige hundert Kunden regelmäßig im Januar und bei jedem Wetter zu einem
Straßenfest vor der Bäckerei zu versammeln, hat alles richtig gemacht.

Kurt Mann aus Wien ist in der Backbranche spätestens seit der Eröffnung des Brotways
bekannt. Das Konzept der Schaubackstube wurde noch nie so konsequent umgesetzt
wie vom Mann. Besucher sehen in der Perfektastraße in Wien die handwerkliche
Herstellung, aber auch, wie modern der Bäckerberuf heute geworden ist. Kurt Mann
arbeitet transparent und gewährt Einblick in alle Abteilungen. Gleichzeitig hat Kurt
Mann mit seiner neuen Produktion Maßstäbe in Sachen Qualitätsmanagement,
Hygiene und Energieeinsparung gesetzt. Dabei darf man den Betrieb aber nicht
auf die hochmoderne Produktion reduzieren. Vom Mann stammen eine Reihe von
innovativen Filialkonzepten, und das Marketing des Betriebes ist ausgesprochen
stringent. „Mann kann...“ ist für die Wiener zu einem Begriff geworden.

Bäcker, die wachsen wollen, stehen irgendwann vor einem Problem: Entweder
kannibalisieren sich ihre Geschäfte oder die räumliche Ausdehnung des Filialnetzes
sorgt für Probleme. Die Stadtbäckerei Dreher aus Gengenbach hat eine Lösung
für dieses Dilemma gefunden. Markus Dreher besitzt professionelle Konzepte für
so ziemlich jede Verkaufsform: Schulmensa, Bäckereifachgeschäft, Vorkasse,
klassisches Café, Coffeeshop, Szenegastronomie und Hochfrequenzstandorte in
Einkaufszentren. Besonders gut zu sehen ist das im Drehers 4 in Gengenbach, wo die
Bäckerei an einem Standort alle Kompetenzen zeigt. Vorbildlich beim Betrieb ist auch
das ausgefeilte Controlling sowie die sehr sorgfältige Schulung und Weiterbildung der
Mitarbeiter.

Die beste Pizza Luzerns gibt es in einer Confiserie. Matthias und Raphael Bachmann
schaffen in perfekter Form den Spagat zwischen Handwerk und hoch organisierter
Systemgastronomie. So ist es ihnen gelungen, in den letzten zehn Jahren den Umsatz
zu verdreifachen – bei fast gleich gebliebener Filialzahl. Nur in wenigen Betrieben
wird so klar vom Verkauf her gedacht wie bei Bachmann, und kein Konkurrent schafft
es, ein Sortiment von 8.000 Artikeln so perfekt zu beherrschen. Raphael und Matthias
Bachmann gelingt es, auch der Industrie immer wieder Aufträge abzujagen, weil sie
in der Lage sind, gleichzeitig individuell und in großen Stückzahlen zu produzieren.
Der moderne Auftritt und das ausgezeichnete Preis-Leistungsverhältnis sorgen dafür,
dass Bachmann auch bei jungen Kunden außerordentlich erfolgreich ist.

Vergeben wird der Marktkieker von der Back Journal Verlagsgesellschaft in Osnabrück.
Wer Preisträger wird, entscheidet eine unabhängige Jury aus Fachjournalisten,
Lieferanten, Ehrenamtsträgern, Fachschulleitern sowie Marktkieker-Preisträgern aus
den Vorjahren. Der Marktkieker ist der renommierteste Unternehmerpreis der Backbranche im deutschsprachigen Raum. Die Leistung der Ausgezeichneten ist richtungsweisend. Oft haben sie es gewagt, ausgetretene Pfade zu verlassen und sind so zu Vorbildern für die Branche geworden. Das Spektrum der Preisträger ist breit gefächert, Kleinbetriebe finden sich ebenso unter den Ausgezeichneten wie Großfilialisten.